Mittwoch, 5. Mai 2010

"Death-sells" - Makabere Werbung

Gerade bin ich auf Horrorblog.org auf eine Werbekampagne der Bangalorer Verkehrspolizei gestoßen, die mich ziemlich irritiert hat. (Für mehr Bilder hier klicken) Die Message, die hier rüber gebracht werden soll ist: Telefoniere nicht mit Freunden, während sie Auto fahren. Ich halte die Botschaft für verständlich. Aber ich frage mich, ob nicht durch die explizite Blutdarstellung die Aufmerksamkeit fehlgeleitet wird. Es ist ein sehr krasses Bild, wie aus dem Telefonhörer das Blut spritzt, aber ich denke nicht, dass es irgendwen davon abhält während des Autofahrens zu telefonieren. Es nimmt sich durch die überspitzte Darstellung selbst die Ernsthaftigkeit. Die Leute sagen "Krass!", aber sie ändern nicht ihr Verhalten.
Das gleiche Gefühl hatte ich schon öfter bei den Aufklärungskampagnen zum Thema HIV-Prävention. Hier wird immer wieder versucht, die Aufmerksamkeit der Leute durch schockierende Bilder zu bekommen. Ich hatte selten so heiße Diskussionen mit Mitmenschen wie über den Fernsehclip, wo eine junge Frau Sex mit Adolf Hitler hat (der in diesem Zusammenhang Aids als Massenmörder symbolisieren soll). Da dieser jetzt bei Youtube gesperrt ist, kann ich hier nur ein Bild zeigen.

Abgesehen davon, dass in diesem Beispiel nicht der Virus, sondern die Virusträger verteufelt werden, was meiner bescheidenen Meinung nach das Schlimmste ist, was eine HIV-Kampagne machen kann, halte ich sie außerdem für makaber. Es sollte doch bei diesen Werbeplakaten und Fernsehspots nicht darum gehen, um jeden Preis aufzufallen, sondern darum, den Leuten etwas klar zu machen. Eine einfache Statistik, ob es nun eine über Autounfälle hervorgerufen durch das Telefonieren am Steuer, oder die Zahl der neuinfizierten HIV-Träger ist, zieht wohl nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie ein Bild mit Blut, Skorpionen oder Hitler, aber es kann bestimmt auch die Leute zum Umdenken bewegen. Und selbst wenn umspektakuläre Werbung weniger Leute erreichen würde, es wäre eine moralischere herangehensweise denke ich. Die Krankheit oder wie im anderen Beispiel der Verkehrsunfall wird hier wie Product Placement behandelt. Man sollte es nicht sensationsgeil präsentieren. Durch solche Kampagnen vergessen die Menschen, dass das Thema ein Trauriges ist. Diese Herrangehensweise ist makaber, und ich finde es taktlos. Und nur nebenbei bemerkt, dass kleine Kinder auf dem Nachhauseweg von der Grundschule an diesen verstörenden Bildern vorbeilaufen ist auch nicht richtig, denn die sind zu jung um die Botschaft zu verstehen, aber alt genug um davon Angst zu bekommen. 
Ein tolles Beispiel für eine Aufklärungskampagne, die es meiner Ansicht nach viel zu weit getrieben hat ist folgende:


Wie ein Sketch ist dieser Spot aufgebaut, und zu der Pointe fehlen mir die Worte. Ich nehme mal an hier wurde der Thematik die Ernsthaftigkeit genommen, weil der Spot sonst tagsüber nicht im TV ausgestrahlt hätte werden können. Eltern, an die dieser Spot gerichtet ist, werden hier auf komische Art persifliert - wieso? Ich habe hier wieder das Gefühl, der Unterhaltungswert wird wichtiger genommen als die Botschaft.
Zweifelsohne ist es allerdings makaber, wenn durch Brutalität nicht mal eine richtige Botschaft, sondern nur noch ein Produkt beworben werden soll. Aber auch so etwas gibt es. "Sex-sells" kennen wir alle, aber der neuste Trend geht Richtung "Death-sells". Lachen ist erlaubt, aber man sollte sich trotzdem fragen, ob man diese Entwicklung gut heißen kann. Was bringen die als nächstes? Ich plädiere darauf sich nicht vom Unterhaltungswert ablenken zu lassen. Will man über Gewalt lachen, dann kann man in einen Film mit FSK16 gehen. Dann sehen ihn auch die richtigen Altersgruppen. Aber kleine Kinder sollten nicht im Glauben aufwachsen, es sei lustig wenn eine Katze geköpft wird. Wenn man sich als Zuschauer nach so einer Werbung dann nicht mal an das Produkt erinnern kann, dann verdient sie Wohl zurecht das Prädikat "Beschissenste Werbung".






Kommentare:

  1. Du hast noch die Werbung mit dem Attentäter im VW Golf vergessen: http://www.youtube.com/watch?v=ePBvl_Q2oEA
    Meistens sind zumindest die Clips aber nur Produktionen die für Werbe-Wettbewerbe produziert werden und so niemals im Fernsehen laufen.

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  2. Danke Horrorblog.org! Ja, der VW Polo-Spot gehört auf jeden fall dazu! Wenn es um schlechten Geschmack geht, dann ist der ganz weit vorne!

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  3. Ha, ha, der Terrorist in dem Auto...
    Einfach großartig. Es ist schade, daß solche Spotts nie im Fernsehen laufen.(vieleicht sollte es ein extra Sender dafür geben?!)

    Vladislav Cz.


    p.s. Wer Rechtsschreibfehler findet darf sie behalten.
    (Ich bin aus Rußland)

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